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Gummersbach – Samstag – 20.04.2010 – 18:00 – die Frisur hält. Aber sie hält nicht mehr lange. Wir steigen aus unserem Bandbus und ahnen noch nicht, was wir an diesem Abend erleben werden. Soundcheck? Fehlanzeige. Bereits bei unserer Ankunft sammeln sich partyhungrige Gäste vor dem Eingang. 800 Karten haben mittlerweile im Vorverkauf ihren Besitzer gefunden. Unsere Knie werden langsam weich, die Nervosität steigt und die fast 30 neuen Songs im Programm sorgen für eine Staatsexamens-Stimmung.
Kurz nach 20 Uhr erschüttert ein Erdbeben die Gummersbacher Stadthalle, als die Sissi-A Band mit ihrem erdigen Rock das mit ein paar Gläschen leicht vorgeglühte Publikum langsam aber sicher in Bewegung bringt. Unser Puls wird schneller und die Fragezeichen in unseren Gesichtern, ob wir auch diesmal das Publikum begeistern werden, immer größer.
Um halb 10 wird noch schnell die Bühne umgebaut und dann ist es soweit. Wir stürmen die Bühne und mit dem ersten Akkord (übrigens – es war ein cis-Moll) ist unsere Nervosität wie mit dem Winken eines Zauberstabs weg. Ein Lied folgt dem anderen und die Stimmung im Publikum steigt und steigt.
Nach der ersten Lieferung Kölsch wird als Gegenzug unsere Wirtschaftskrisen-Gitarre ausgepackt (schon irre, welche Namen man sich für eine Ukulele ausdenken kann) und wir Flying mittlerweile alle auf Wolke Nummer 9. Das Programm rollt wie eine wildgewordene Straßenwalze, der es an Sprit nicht mangelt.
Anfang der zweiten Runde gibt Julia ihr Simply the best und ist dabei im siebten Himmel (…ist nach wie vor besser, als im siebten Monat). Das überwiegend östrogene Publikum verlangt ihren Tribut und bringt uns zu Showeinlagen, die wir bestimmt zu Hause unseren Kindern nicht zeigen würden. I can’t zwar dance, aber für euch – liebe Damen – kann man es mindestens versuchen. Wer kann bitte eurem Kreischen widerstehen?
Wir feiern fast die ganze Nacht und haben alles im Griff. Es ist einfach ein Wahnsinn. Man muss nicht mal für einen leichten Kiss die Bühne verlassen. Einfach kurz mal einen Bündel Rosen holen, im Publikum verteilen und abknutschen lassen.
Um halb 2 ist jedem klar, dass wir nicht pünktlich aufhören werden. Aber wer würde schon die Polizei wegen Lärmbelästigung anzeigen? Ohne euch schlafen wir heut nacht nicht ein und rocken bis zum bitteren Ende all over the world.
Kurz nach 2 ist es dann soweit und wir verlassen mit einem breiten Grinsen die Bühne. Auf dem Weg zum Bus werden wir bei jedem Schritt angehalten und jeder hebt den Daumen hoch und bedankt sich für einen tollen Abend.
Als wir dann am nächsten Tag humpelnt, mit verwüsteten Frisuren und unterlaufenen Augen nach Hause zurückkehren und man uns fragt what’s going on, haben wir die Antwort schon parat. Wir waren in Gummersbach.
Danke ihr lieben Gummersbacher, ihr wart ein fantastisches Publikum und wir haben für euch absolut alles gegeben. Wir hoffen, ihr bleibt uns treu und kommt nächstes Jahr wieder zu uns in die Stadthalle nach Gummersbach.
Eure Band Radspitz.
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